„Wenn ihr dagegen nach dem Wort der Schrift: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! das königliche Gesetz erfüllt, dann handelt ihr recht.“  Jak 2,8

Ein jedes Projekt, ein jeder Verein wie überhaupt jegliche Tat entspringt aus einer Motivation. Hinter Motiven verbergen sich zumeist wichtige Werte und Grundsätze, die Menschen zum Handeln bewegen.

Nicht anders war es bei der Gründung der Lazaruslegion und ist es bis heute geblieben. Geprägt durch die christliche Botschaft und darin insbesondere durch den Begriff der Nächstenliebe haben sich Menschen zusammen getan einen Raum zu schaffen, in dem HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte als Mensch und Persönlichkeit ernst genommen werden.

Bei Feststellung einer Infektion beginnt für nicht wenige Infizierte ein Weg durch die „Maschienerie“ der Medizin und der Sozialbehörden. Im Durchschreiten dieses Weges verlernen viele Betroffene Selbständigkeit und verlieren das Gefühl der eigenen Würde. Außerdem müssen nach wie vor viele erleben, wie Bekannte,  Freunde und manchmal sogar die Familie den Kontakt abbrechen.

Das heißt:

  • Anstatt Begegnung zu erfahren erleben viele Infizierte wie sie behandelt und abgewickelt werden.
  • Anstatt auf Achtung zu stoßen werden sie zu einem Aktenzeichen.
  • Anstatt Nähe zu erfahren erleben viele Vereinsamung.

An dieser Erfahrung hat sich seit Gründung der Lazaruslegion wenig geändert. Um so wichtiger erachten wir es ein Kontrapunkt zu den alltäglichgen Erfahrungen vieler Infizierter zu setzen, einen Alternativraum zu bieten, der geprägt ist von Würde und Achtung. Hergeleitet aus dem Evangelium und der darin enthaltenen Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen, ist es den Mitgliedern der Lazaruslegion wichtig, den Wert und die Kraft der Nächstenliebe aktiv zu gestalten und für die Besucher erfahrbar zu machen.

Dabei leitet sich Nächstenliebe insbesondere von der biblischen Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit ab, die sich wiederum auf den Schöpfungsbericht berufen kann. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, ist göttlichen Ursprungs deshalb bildet im Neuen Testament Gottes- und Nächstenliebe eine differenzierte Einheit. Die Nächstenliebe findet sodann in der Feindesliebe ihren begrifflichen Höhepunkt. Nicht nur von daher kann abgeleitet werden, dass die Liebe zum Nächsten ohne Rücksicht auf Ansehen, Geschlecht, Rasse, Religion oder sonstige Unterschiede zu leisten ist.

Das Wort Liebe ist dabei nicht nur ein Gefühl, wir es oft verstanden wird. Gefühle sind flüchtig und oft labil. Liebe wie sie in unserem Zusammenhang betrachtet wird meint eine intensive innere Einstellung, ein sehr großes Interesse, eine Entscheidung oder auch eine tiefe lebensverwandelnde Erkenntnis

Die Arbeit der Lazaruslegion muss immer wieder an diesem Wert gemessen und jedes Tun muss in der Rückschau darauf hin betrachtet werden. Dabei sind sich die Mitglieder sehr wohl bewusst, dass Werte nie ganz gelebt werden können und jeder hinter solchen Grundsätzen immer auch zurück bleibt.

Es darf allerdings insbesondere den Akteuren der Lazaruslegion immer wieder bewusst werden, dass  jegliches Tun im Namen und Auftrag des Evangeliums immer auch getragen ist von der Kraft Gottes und seinem liebenden Geist.

„Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus.“ Phil 2,13