2017 wurden in Deutschland 7.476 Syphilis-Fälle gemeldet, gut 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 80 Prozent der Meldungen mit Angaben zum Infektionsweg entfielen auf Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

Diese Zahlen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) am 15. November im Syphilis-Jahresbericht 2017 veröffentlicht.

Der seit 2010 zu beobachtende Anstieg der Syphilis-Meldungen setzt sich damit fort, allerdings deutlich schwächer als in den Vorjahren.

Besonders hoch war die Zahl der gemeldeten Diagnosen pro 100.000 Einwohner_innen in den Großstädten Köln, Berlin, München, Trier, Frankfurt, Mannheim, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart. Das liegt daran, dass in größeren Städten auch der Anteil von MSM an der Bevölkerung höher ist. Ein ähnliches Muster gibt es auch bei HIV.

Viele Syphilis-Infektionen werden erst spät diagnostiziert

Von den gemeldeten Fällen bei Heterosexuellen entfielen gut 70 Prozent auf Männer. Knapp sechs Prozent der Heterosexuellen (beinahe ausschließlich Männer) gaben Kontakt zu Sexarbeiter_innen als Infektionsweg an, etwa drei Prozent (beinahe ausschließlich Frauen) die Ausübung von Sexarbeit.

Jede vierte Meldung betraf eine Syphilis-Infektion in einem späten Stadium. Der Anteil der früh diagnostizierten Fälle (in den ersten zwei Monaten nach der Infektion) war bei Männern, die Sex mit Männern haben, deutlich höher als bei Heterosexuellen: Bei HIV-positiven MSM lag er bei über 70 Prozent, bei HIV-negativen MSM bei gut 64, bei heterosexuellen Männern bei 55 und bei Frauen bei rund 41 Prozent.

Bei den Syphilis-Meldungen zu Männern, die Sex mit Männern haben, lag der Anteil der wiederholten Infektionen bei fast 46 Prozent, bei den Meldungen zu heterosexuellen Frauen und Männern dagegen bei jeweils etwa 8 Prozent.

Verschiedene Gründe für den Anstieg der Diagnosen

Einer der Gründe für den Anstieg der gemeldeten Syphilis-Infektionen bei MSM ist laut RKI wahrscheinlich der Rückgang des Kondomgebrauchs mit nichtfesten Partnern je nach deren HIV-Status. So ist zum Beispiel in den letzten Jahren zu beobachten, dass sowohl HIV-positive als auch HIV-negative MSM die Schutzwirkung der HIV-Therapie nutzen.

Ein weiterer Grund ist außerdem vermutlich ein verbessertes Testverhalten. In der Prävention für schwule und bisexuelle Männer ist in den letzten Jahren verstärkt zu regelmäßigen Syphilis-Tests aufgerufen worden. Das Testangebot, unter anderem in Checkpoints der Aidshilfen, wurde erweitert.

Dass bei HIV-positiven MSM insgesamt deutlich häufiger eine Syphilis festgestellt wird als bei HIV-negativen, liegt auch daran, dass die meisten von ihnen im Rahmen ihrer HIV-Behandlung regelmäßig auf andere Geschlechtskrankheiten untersucht werden. Dadurch werden auch symptomlose Infektionen häufiger entdeckt.

Darüber hinaus könnte laut RKI bei HIV-positiven MSM eine eingeschränkte Immunantwort in den beim Sex beteiligten Schleimhäuten eine Rolle spielen.

Bedarf an Aufklärung, Test-Angeboten, Behandlung

Das Robert-Koch-Institut sieht angesichts des fortgesetzten Anstiegs der Syphilis-Meldungen einen hohen Bedarf an weiteren niedrigschwelligen Syphilis-Testangeboten, insbesondere für sexuell aktive, HIV-negative MSM mit einer höheren Partnerzahl. Außerdem erforderlich seien Aufklärung und Maßnahmen, um die Motivation zu regelmäßigen Tests zu erhöhen.

Darüber hinaus solle darüber informiert werden, dass der Kondomgebrauch das Risiko von Syphilis-Infektionen deutlich reduzieren kann.

Bei der HIV-Prophylaxe PrEP, die ab 2019 Kassenleistung werden soll, komme es darauf an, die empfohlenen quartalsweisen Syphilis-Untersuchungen tatsächlich durchzuführen. So könnten auch bisher unentdeckte Syphilis-Infektionen diagnostiziert und behandelt werden.

Nicht zuletzt gelte es, im Rahmen von Beratungs- und Testangeboten für Sexarbeiter_innen und ihre Kunden anzusprechen und freiwillige und anonyme Testangebote für Sexarbeiter_innen auszubauen.

 

Quelle: aidshilfe.de

Die Grünen und die Linken im Bundestag fordern die kassenfinanzierte Verhütung – zumindest für Menschen mit niedrigem oder keinem Einkommen. Expert_innen begrüßen das als Beitrag zur sexuellen Selbstbestimmung.

Viele Menschen können sich Methoden wie eine Sterilisation oder ein Hormonimplantat nicht leisten. Sie sind deshalb auf günstigere, weniger sichere Mittel angewiesen – und für viele sind selbst Kondome zu teuer.

Häufig wird deswegen falsch oder gar nicht verhütet. Die Folge sind oft medizinische und soziale Komplikationen.

Auch nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel sollen erstattet werden

Die Bundestags-Fraktionen der Grünen und der Linken haben deshalb Anträge ins Parlament eingebracht, um die persönliche und sexuelle Freiheit zu stärken: Insbesondere für Menschen mit niedrigem oder gar keinem Einkommen sollen die Krankenkassen künftig Verhütungsmittel ihrer Wahl finanzieren.

Die Grünen schlagen vor, Empfänger_innen von Transferleistungen sollten verschreibungspflichtige Verhütungsmittel und operative Eingriffe von den Krankenkassen erstattet bekommen – Kondome zählen nicht dazu.

Die Linken wollen, dass auch wirksame, nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel wie Kondome erstattet werden. Dazu soll allen Versicherten eine Art monatliches Verhütungsbudget bereitgestellt werden, mit dem sie die Methode ihrer Wahl finanzieren können – von der Pille über Kondome und Spiralen bis zur Sterilisationen oder Zykluscomputern.

Kassenfinanzierte Verhütung als Thema im Gesundheitsausschuss

Am 7. November fand dazu eine Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss statt.

Expert_innen aus Medizin, Sexualwissenschaft und von Organisationen wie pro familia begrüßten die Vorschläge.

Die Berliner Frauenärztin Katrin Wolf zum Beispiel sagte, sichere Verhütung sei für eine selbstbestimmte Sexualität unverzichtbar. Sie forderte deshalb auch die kostenlose Abgabe von Kondomen an Männer.

Auch der Paritätische Gesamtverband sieht im Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Familienplanung „ein Menschenrecht mit universeller Bedeutung“, das vom Staat gewährleistet werden müsse. In einer schriftlichen Stellungnahme forderte er, auch die Versorgung mit „mechanischen Verhütungsmitteln“ wie Kondomen sicherzustellen. Sie hätten nicht nur eine empfängnisverhütende Wirkung, sondern seien auch ein wichtiges Mittel zum Schutz vor HIV, HPV, Hepatitis A, B und C, Herpes und anderen Krankheiten.

Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt die Debatte ebenfalls – weder Familienplanung noch der Schutz vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten dürften eine Frage des Geldbeutels sein.


Quelle: aidshilfe.de

„Streich die Vorurteile!“ – Dieser Appell steht im Zentrum des diesjährigen Motivs zum Welt-AIDS-Tag. Es soll Diskriminierung von Menschen mit HIV entgegenwirken sowie Respekt und einen entspannten Umgang mit HIV-positiven Menschen im Alltag fördern.

„Du hast HIV? Damit komme ich nicht klar!“, steht es da groß schwarz auf weiß geschrieben. Das „nicht“ ist knallrot durchgestrichen.

Mit diesem Motiv zum Welt-Aids-Tag sollen Betrachter_innen dazu angeregt werden, ihre eigenen Denk- und Verhaltensweisen gegenüber HIV-positiven Menschen auf den Prüfstand zu stellen.

Die Botschaft: Menschen mit und ohne HIV können im Alltag ganz entspannt zusammenleben. Denn mit HIV kann man heute bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie alt werden und leben wie andere Menschen auch. Eine Übertragung von HIV ist unter einer gut wirksamen Therapie nicht mehr möglich.

Zugleich erleben Menschen mit HIV immer noch Zurückweisung, Benachteiligung oder Schuldzuweisungen – in der Familie, im Freundeskreis, im Job, in der Freizeit und sogar im Gesundheitswesen. Abwertung und Ausgrenzung machen krank. Sie können zu psychischen Erkrankungen führen und Menschen von Arztbesuchen abhalten. Angst vor Zurückweisung hält Menschen auch vom HIV-Test ab. Sie leben dann oft lange Zeit ohne Behandlung mit HIV – bis sie schwer krank werden.

Das alles lässt sich vermeiden, indem wir gemeinsam Diskriminierung entgegentreten. Der Welt-AIDS-Tag ist der Tag, an dem an Solidarität mit HIV-positiven Menschen erinnert wird.

In Deutschland leben zurzeit rund 90.000 Menschen mit HIV. Das Motiv „Streich die Vorurteile!“ ist eine Gemeinschaftsaktion von Bundesgesundheitsministerium, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Deutscher AIDS-Hilfe und Deutscher AIDS-Stiftung. Es steht als Innenraumplakat zur Verfügung, zusätzlich gibt es ein Info-Faltblatt für Aktionen vor Ort, die Webseite zur Aktion und die Social-Media-Kanäle des Welt-Aids-Tages auf Facebook und Twitter.

www.welt-aids-tag.de

Seit dem 1. November 2018 ist die „Blister-PrEP“ in den aktuell 65 teilnehmenden Apotheken für 40,00 statt bisher rund 50 Euro pro 28 Tabletten erhältlich.

Der Endverbraucher-Preis sinkt damit auf umgerechnet 1,43 Euro pro Tablette.

Man wolle damit noch mehr Menschen den Zugang zu dieser HIV-Schutzmethode ermöglichen, so die Kölsche Blister GmbH am 24.10.2018.

Bei der Blister-PrEP werden 28 Tabletten eines zur PrEP zugelassenen Medikaments individuell für den PrEP-User verblistert, das heißt in einzelne Sichtverpackungen abgefüllt.

Mit der Blister-PrEP war im Oktober 2017 erstmals ein in Deutschland zur PrEP zugelassenes Medikament zu einem relativ erschwinglichen Preis verfügbar geworden.

Das Pilotprojekt startete mit zunächst sieben teilnehmenden Apotheken in sechs deutschen Städten. Die Zahl der teilnehmenden Apotheken ist mittlerweile auf derzeit über 60 gestiegen.

Seither sind weitere zur HIV-PrEP zugelassene Präparate auf den Markt gekommen, die im Gegensatz zur Blister-PrEP in allen Apotheken verfügbar sind. Die günstigsten dieser Produkte sind derzeit zu 69,90 Euro für 30 Tabletten erhältlich (umgerechnet 2,33 Euro pro Tablette).

Im Juli 2018 hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, er wolle für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko einen gesetzlichen Anspruch auf die PrEP-Medikamente sowie die nötige medizinische Begleitung schaffen. Die Kosten könnten dann ab Mitte 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

 

Quelle: aidshilfe.de