Die Grünen und die Linken im Bundestag fordern die kassenfinanzierte Verhütung – zumindest für Menschen mit niedrigem oder keinem Einkommen. Expert_innen begrüßen das als Beitrag zur sexuellen Selbstbestimmung.

Viele Menschen können sich Methoden wie eine Sterilisation oder ein Hormonimplantat nicht leisten. Sie sind deshalb auf günstigere, weniger sichere Mittel angewiesen – und für viele sind selbst Kondome zu teuer.

Häufig wird deswegen falsch oder gar nicht verhütet. Die Folge sind oft medizinische und soziale Komplikationen.

Auch nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel sollen erstattet werden

Die Bundestags-Fraktionen der Grünen und der Linken haben deshalb Anträge ins Parlament eingebracht, um die persönliche und sexuelle Freiheit zu stärken: Insbesondere für Menschen mit niedrigem oder gar keinem Einkommen sollen die Krankenkassen künftig Verhütungsmittel ihrer Wahl finanzieren.

Die Grünen schlagen vor, Empfänger_innen von Transferleistungen sollten verschreibungspflichtige Verhütungsmittel und operative Eingriffe von den Krankenkassen erstattet bekommen – Kondome zählen nicht dazu.

Die Linken wollen, dass auch wirksame, nicht verschreibungspflichtige Verhütungsmittel wie Kondome erstattet werden. Dazu soll allen Versicherten eine Art monatliches Verhütungsbudget bereitgestellt werden, mit dem sie die Methode ihrer Wahl finanzieren können – von der Pille über Kondome und Spiralen bis zur Sterilisationen oder Zykluscomputern.

Kassenfinanzierte Verhütung als Thema im Gesundheitsausschuss

Am 7. November fand dazu eine Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss statt.

Expert_innen aus Medizin, Sexualwissenschaft und von Organisationen wie pro familia begrüßten die Vorschläge.

Die Berliner Frauenärztin Katrin Wolf zum Beispiel sagte, sichere Verhütung sei für eine selbstbestimmte Sexualität unverzichtbar. Sie forderte deshalb auch die kostenlose Abgabe von Kondomen an Männer.

Auch der Paritätische Gesamtverband sieht im Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Familienplanung „ein Menschenrecht mit universeller Bedeutung“, das vom Staat gewährleistet werden müsse. In einer schriftlichen Stellungnahme forderte er, auch die Versorgung mit „mechanischen Verhütungsmitteln“ wie Kondomen sicherzustellen. Sie hätten nicht nur eine empfängnisverhütende Wirkung, sondern seien auch ein wichtiges Mittel zum Schutz vor HIV, HPV, Hepatitis A, B und C, Herpes und anderen Krankheiten.

Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt die Debatte ebenfalls – weder Familienplanung noch der Schutz vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten dürften eine Frage des Geldbeutels sein.


Quelle: aidshilfe.de

„Streich die Vorurteile!“ – Dieser Appell steht im Zentrum des diesjährigen Motivs zum Welt-AIDS-Tag. Es soll Diskriminierung von Menschen mit HIV entgegenwirken sowie Respekt und einen entspannten Umgang mit HIV-positiven Menschen im Alltag fördern.

„Du hast HIV? Damit komme ich nicht klar!“, steht es da groß schwarz auf weiß geschrieben. Das „nicht“ ist knallrot durchgestrichen.

Mit diesem Motiv zum Welt-Aids-Tag sollen Betrachter_innen dazu angeregt werden, ihre eigenen Denk- und Verhaltensweisen gegenüber HIV-positiven Menschen auf den Prüfstand zu stellen.

Die Botschaft: Menschen mit und ohne HIV können im Alltag ganz entspannt zusammenleben. Denn mit HIV kann man heute bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie alt werden und leben wie andere Menschen auch. Eine Übertragung von HIV ist unter einer gut wirksamen Therapie nicht mehr möglich.

Zugleich erleben Menschen mit HIV immer noch Zurückweisung, Benachteiligung oder Schuldzuweisungen – in der Familie, im Freundeskreis, im Job, in der Freizeit und sogar im Gesundheitswesen. Abwertung und Ausgrenzung machen krank. Sie können zu psychischen Erkrankungen führen und Menschen von Arztbesuchen abhalten. Angst vor Zurückweisung hält Menschen auch vom HIV-Test ab. Sie leben dann oft lange Zeit ohne Behandlung mit HIV – bis sie schwer krank werden.

Das alles lässt sich vermeiden, indem wir gemeinsam Diskriminierung entgegentreten. Der Welt-AIDS-Tag ist der Tag, an dem an Solidarität mit HIV-positiven Menschen erinnert wird.

In Deutschland leben zurzeit rund 90.000 Menschen mit HIV. Das Motiv „Streich die Vorurteile!“ ist eine Gemeinschaftsaktion von Bundesgesundheitsministerium, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Deutscher AIDS-Hilfe und Deutscher AIDS-Stiftung. Es steht als Innenraumplakat zur Verfügung, zusätzlich gibt es ein Info-Faltblatt für Aktionen vor Ort, die Webseite zur Aktion und die Social-Media-Kanäle des Welt-Aids-Tages auf Facebook und Twitter.

www.welt-aids-tag.de

Seit dem 1. November 2018 ist die „Blister-PrEP“ in den aktuell 65 teilnehmenden Apotheken für 40,00 statt bisher rund 50 Euro pro 28 Tabletten erhältlich.

Der Endverbraucher-Preis sinkt damit auf umgerechnet 1,43 Euro pro Tablette.

Man wolle damit noch mehr Menschen den Zugang zu dieser HIV-Schutzmethode ermöglichen, so die Kölsche Blister GmbH am 24.10.2018.

Bei der Blister-PrEP werden 28 Tabletten eines zur PrEP zugelassenen Medikaments individuell für den PrEP-User verblistert, das heißt in einzelne Sichtverpackungen abgefüllt.

Mit der Blister-PrEP war im Oktober 2017 erstmals ein in Deutschland zur PrEP zugelassenes Medikament zu einem relativ erschwinglichen Preis verfügbar geworden.

Das Pilotprojekt startete mit zunächst sieben teilnehmenden Apotheken in sechs deutschen Städten. Die Zahl der teilnehmenden Apotheken ist mittlerweile auf derzeit über 60 gestiegen.

Seither sind weitere zur HIV-PrEP zugelassene Präparate auf den Markt gekommen, die im Gegensatz zur Blister-PrEP in allen Apotheken verfügbar sind. Die günstigsten dieser Produkte sind derzeit zu 69,90 Euro für 30 Tabletten erhältlich (umgerechnet 2,33 Euro pro Tablette).

Im Juli 2018 hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, er wolle für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko einen gesetzlichen Anspruch auf die PrEP-Medikamente sowie die nötige medizinische Begleitung schaffen. Die Kosten könnten dann ab Mitte 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

 

Quelle: aidshilfe.de

Aspirin gegen Aids? Die HIV-Infektionsraten sind insbesondere bei jungen afrikanischen Frauen nach wie vor außerordentlich hoch. Eine kleine Machbarkeitsstudie hat sich nun mit der Frage beschäftigt, ob Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure – besser bekannt unter den Medikamentennamen ASS oder Aspirin – ihr HIV-Risiko senken könnte.

Der Gedanke der Forscher_innen aus Kanada und Kenia: Wenn man die Zahl möglicher Zielzellen von HIV reduziert, verringert man auch das Risiko einer Infektion.

Hintergrund von Aspirin gegen Aids

Damit es zu einer HIV-Infektion kommt, braucht man vermehrungsfähige Viren und Wirtszellen, die von HIV infiziert werden können.

Zum Schutz vor HIV-Infektionen setzen HIV-Negative daher normalerweise darauf, HIV gar nicht erst zu den Wirtszellen kommen zu lassen (Kondome/Femidome) oder die HIV-Vermehrung zu unterdrücken, wenn HIV doch in den Körper gelangt ist (zum Beispiel durch die HIV-Prophylaxe PrEP).

Nun weiß man schon länger, dass bei Entzündungen im Vaginaltrakt (zum Beispiel aufgrund einer Geschlechtskrankheit) auch das HIV-Risiko steigt. Ein Grund ist, dass der Zellverband in der Schleimhaut lockerer wird, sodass HIV leichter eindringen kann.

Ein anderer Grund ist, dass aktivierte Immunzellen (T-Zellen) zum Ort der Entzündung „wandern“. Solche aktivierten T-Zellen – zu ihnen gehören zum Beispiel CD4-Zellen) werden leichter von HIV infiziert als nicht aktivierte und produzieren nach einer Infektion auch sehr viel mehr neue HI-Viren.

Wenn man also Entzündungen bekämpft, könnte die Zahl der aktivierten Immunzellen und damit auch das HIV-Risiko sinken.

Die Studie

Die Forscher_innen untersuchten insgesamt kenianische 76 Frauen aus der Allgemeinbevölkerung, die das Pumwani Maternity Hospital oder das Baba Dogo Health Center aufgesucht hatten. Sie waren nicht mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten infiziert.

39 der Frauen nahmen über einen Zeitraum von sechs Wochen täglich niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ein. 37 Frauen nahmen niedrig dosiertes Hydroxychloroquin ein. Die Verteilung auf die Gruppen erfolgte per Zufallsprinzip.

Acetylsalicylsäure und Hydroxychloroquin wurden ausgewählt, weil sie weltweit erhältlich, erschwinglich, nebenwirkungsarm sowie jahrelang in der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen oder Malaria bewährt sind und deshalb nicht als stigmatisierend wahrgenommen werdne.

Gemessen wurde unter anderem die Zahl von Immunzellen und die Zahl aktivierter Immunzellen in der Vaginalschleimhaut vor, während und nach der Medikamenteneinnahme (der Gesamtuntersuchungszeitraum betrug 12 Wochen).

Ergebnisse

Hydroxychloroquin: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme war zwar die Zahl der im Blut zirkulierenden T-Zellen gestiegen, aber weniger von ihnen waren aktiviert. Insgesamt sank die Zahl aller HIV-Zielzellen im Blut um 31 Prozent, in der Schleimhaut aber kaum.

Acetylsalicylsäure: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme gab es eine geringere Immunaktivierung im Blut und in der Schleimhaut. Die Zahl der HIV-Zielzellen im Genitaltrakt war um 35 Prozent gesunken. Außerdem war bei einigen Frauen die Zahl bestimmter Eiweiße gestiegen, welche den Zellverband in der Vaginalschleimhaut festigen und so das Eindringen von HIV erschweren.
Folgerungen

„Es bedarf nun weiterer Forschung, um unsere Ergebnisse mit Aspirin zu bestätigen und zu prüfen, ob diese Reduktion von Zielzellen tatsächlich auch HIV-Infektionen verhindert“, so die Forscher_innen.

Sollte sich dies bestätigen, könnte die tägliche Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur einer weiteren, kostengünstigen, weltweit zugänglichen und sozial akzeptierten Strategie für die die HIV-Prävention werden.

Darüber hinaus könnte der Einsatz von Entzündungshemmern auch die Wirksamkeit andere HIV-Präventionsmethoden erhöhen: Entzündungen im Vaginaltrakt können offenbar die HIV-Prophylaxe PrEP praktisch wirkungslos machen.

 

Quelle: aidshilfe.de

Nach einer Schätzung des Gesundheitsministeriums nehmen bereits jetzt 6.000 Personen in Deutschland die Prä-Expositionsprophylaxe ein.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass bis zu 10.000 Menschen in Deutschland „an einer PrEP interessiert sein könnten“. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor (PDF). Zwar könne die Zahl der möglichen Nutzer der HIV-Prophylaxe nicht genau geschätzt werden, „da die Inanspruchnahme der PrEP von individuellen Faktoren bestimmt wird“. Man beziehe sich aber auf Erfahrungswerte aus Frankreich, das die PrEP als erstes EU-Land bereits vor der Zulassung im Sommer 2016 getestet hatte. Derzeit würden bereits 6.000 Menschen in Deutschland die PrEP auf eigene Kosten einnehmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vergangenen Monat eine Initiative angekündigt, mit der die Kosten für die PrEP bei „Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko“ von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sollen. Aus der Antwort seines Ministeriums geht hervor, dass die Bundesregierung die jährlichen Kosten des Arzneimittels pro Person auf rund 600 Euro schätzt. Hinzu kämen Ausgaben „für Diagnostik, ärztliche Beratung und Therapiebegleitung“, die bei rund 170 Euro pro Jahr liegen würden.

Die Regierung weist zugleich darauf hin, dass durch die PrEP die Zahl der HIV-Infektionen gesenkt werden könne und „dadurch der prognostizierte Anstieg der Gesamtbehandlungskosten für HIV-Patienten erheblich verringert werden kann“. 2015 hätten die „direkten Krankheitskosten“ für die Behandlung HIV-positiver Menschen in Deutschland bei 278 Millionen Euro gelegen.

Regierung erhofft Rückgang der HIV-Neuinfektionen durch die PrEP

Auf die Frage der FDP-Fraktion, welche „Kosten-Nutzen-Bewertung“ die PrEP habe, antwortete das Gesundheitsministerium kühl: „Das deutsche Recht sieht für Arzneimittel keine regelhafte Kosten-Nutzen-Bewertung vor.“ Man verweise aber auf den britischen Landesteil England, in dem laut aktuellen Zahlen „die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in einzelnen Regionen bzw. der Metropole London um bis zu 40 Prozent zurück gegangen ist.“ Die englische Gesundheitsbehörde vermute, „dass hierfür neben der Ausweitung von Testangeboten auch die PrEP ursächlich war“.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts hatte es 2016 in Deutschland 3.100 HIV-Neuinfektionen gegeben – und damit 100 weniger als im Vorjahr. Insgesamt lebten 88.400 Personen mit HIV, rund zwei Drittel seien Männer, die sich beim Sex mit Männern angesteckt hätten.

 

Quelle: queer.de