Das Europäische Patentamt hat Gileads Patent bestätigt. NGOs kritisieren, dass durch unverhältnismäßig hohe Preise auch in Europa viele Patient_innen von der Behandlung ausgeschlossen werden.

Das Europäische Patentamt (EPA) hat am 13.09. das Patent auf das Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir (Handelsname: Sovaldi) bestätigt.

Zivilgesellschaftliche Organisationen aus 17 europäischen Ländern, darunter Ärzte der Welt, Ärzte ohne Grenzen und AIDES, hatten im März 2017 beim EPA beantragt, das Patent zu widerrufen. Ihr Argument: Es handele sich nicht um eine Innovation.

 

Sofosbuvir muss auch in Europa erschwinglich werden

Ziel war, den Import und Vertrieb kostengünstiger Nachahmerpräparate auch in Europa zu ermöglichen.

Nach einer Anhörung am 13.09.2018, bei der um die chemische Basisverbindung von Sovaldi ging, entschied das Europäische Patentamt jedoch: Gileads Patent bleibt bestehen.

 

Sofosbuvir: Preise von unter 100 Euro bis 43.000 Euro für eine Behandlung

Sofosbuvir ist zentraler Bestandteil der meisten Behandlungen, mit denen man die lebensbedrohliche Leberentzündung Hepatitis C in nur 12 Wochen heilen kann.

In Deutschland kostet eine solche Behandlung über 43.000 Euro. In Ländern, wo es keine Patentbarrieren gibt, ist der Preis dank des Wettbewerbs zwischen Generikaherstellern deutlich unter 100 Euro gesunken.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge leben sind im europäischen Raum etwa 15 Millionen Menschen, die chronisch mit Hepatitis C infiziert. Das führt zu mehr als 100.000 Todesfällen jährlich als Folge von Leberzirrhose und Leberkrebs.

 

Ärzte ohne Grenzen will Entscheidung anfechten

Bei Ärzte ohne Grenzen zeigte man sich sehr enttäuscht über das Urteil und kündigte an, die Entscheidung anzufechten.

 

Quelle: aidshilfe.de

Aspirin gegen Aids? Die HIV-Infektionsraten sind insbesondere bei jungen afrikanischen Frauen nach wie vor außerordentlich hoch. Eine kleine Machbarkeitsstudie hat sich nun mit der Frage beschäftigt, ob Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure – besser bekannt unter den Medikamentennamen ASS oder Aspirin – ihr HIV-Risiko senken könnte.

Der Gedanke der Forscher_innen aus Kanada und Kenia: Wenn man die Zahl möglicher Zielzellen von HIV reduziert, verringert man auch das Risiko einer Infektion.

Hintergrund von Aspirin gegen Aids

Damit es zu einer HIV-Infektion kommt, braucht man vermehrungsfähige Viren und Wirtszellen, die von HIV infiziert werden können.

Zum Schutz vor HIV-Infektionen setzen HIV-Negative daher normalerweise darauf, HIV gar nicht erst zu den Wirtszellen kommen zu lassen (Kondome/Femidome) oder die HIV-Vermehrung zu unterdrücken, wenn HIV doch in den Körper gelangt ist (zum Beispiel durch die HIV-Prophylaxe PrEP).

Nun weiß man schon länger, dass bei Entzündungen im Vaginaltrakt (zum Beispiel aufgrund einer Geschlechtskrankheit) auch das HIV-Risiko steigt. Ein Grund ist, dass der Zellverband in der Schleimhaut lockerer wird, sodass HIV leichter eindringen kann.

Ein anderer Grund ist, dass aktivierte Immunzellen (T-Zellen) zum Ort der Entzündung „wandern“. Solche aktivierten T-Zellen – zu ihnen gehören zum Beispiel CD4-Zellen) werden leichter von HIV infiziert als nicht aktivierte und produzieren nach einer Infektion auch sehr viel mehr neue HI-Viren.

Wenn man also Entzündungen bekämpft, könnte die Zahl der aktivierten Immunzellen und damit auch das HIV-Risiko sinken.

Die Studie

Die Forscher_innen untersuchten insgesamt kenianische 76 Frauen aus der Allgemeinbevölkerung, die das Pumwani Maternity Hospital oder das Baba Dogo Health Center aufgesucht hatten. Sie waren nicht mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten infiziert.

39 der Frauen nahmen über einen Zeitraum von sechs Wochen täglich niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ein. 37 Frauen nahmen niedrig dosiertes Hydroxychloroquin ein. Die Verteilung auf die Gruppen erfolgte per Zufallsprinzip.

Acetylsalicylsäure und Hydroxychloroquin wurden ausgewählt, weil sie weltweit erhältlich, erschwinglich, nebenwirkungsarm sowie jahrelang in der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen oder Malaria bewährt sind und deshalb nicht als stigmatisierend wahrgenommen werdne.

Gemessen wurde unter anderem die Zahl von Immunzellen und die Zahl aktivierter Immunzellen in der Vaginalschleimhaut vor, während und nach der Medikamenteneinnahme (der Gesamtuntersuchungszeitraum betrug 12 Wochen).

Ergebnisse

Hydroxychloroquin: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme war zwar die Zahl der im Blut zirkulierenden T-Zellen gestiegen, aber weniger von ihnen waren aktiviert. Insgesamt sank die Zahl aller HIV-Zielzellen im Blut um 31 Prozent, in der Schleimhaut aber kaum.

Acetylsalicylsäure: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme gab es eine geringere Immunaktivierung im Blut und in der Schleimhaut. Die Zahl der HIV-Zielzellen im Genitaltrakt war um 35 Prozent gesunken. Außerdem war bei einigen Frauen die Zahl bestimmter Eiweiße gestiegen, welche den Zellverband in der Vaginalschleimhaut festigen und so das Eindringen von HIV erschweren.
Folgerungen

„Es bedarf nun weiterer Forschung, um unsere Ergebnisse mit Aspirin zu bestätigen und zu prüfen, ob diese Reduktion von Zielzellen tatsächlich auch HIV-Infektionen verhindert“, so die Forscher_innen.

Sollte sich dies bestätigen, könnte die tägliche Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur einer weiteren, kostengünstigen, weltweit zugänglichen und sozial akzeptierten Strategie für die die HIV-Prävention werden.

Darüber hinaus könnte der Einsatz von Entzündungshemmern auch die Wirksamkeit andere HIV-Präventionsmethoden erhöhen: Entzündungen im Vaginaltrakt können offenbar die HIV-Prophylaxe PrEP praktisch wirkungslos machen.

 

Quelle: aidshilfe.de

Nach einer Schätzung des Gesundheitsministeriums nehmen bereits jetzt 6.000 Personen in Deutschland die Prä-Expositionsprophylaxe ein.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass bis zu 10.000 Menschen in Deutschland „an einer PrEP interessiert sein könnten“. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor (PDF). Zwar könne die Zahl der möglichen Nutzer der HIV-Prophylaxe nicht genau geschätzt werden, „da die Inanspruchnahme der PrEP von individuellen Faktoren bestimmt wird“. Man beziehe sich aber auf Erfahrungswerte aus Frankreich, das die PrEP als erstes EU-Land bereits vor der Zulassung im Sommer 2016 getestet hatte. Derzeit würden bereits 6.000 Menschen in Deutschland die PrEP auf eigene Kosten einnehmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vergangenen Monat eine Initiative angekündigt, mit der die Kosten für die PrEP bei „Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko“ von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sollen. Aus der Antwort seines Ministeriums geht hervor, dass die Bundesregierung die jährlichen Kosten des Arzneimittels pro Person auf rund 600 Euro schätzt. Hinzu kämen Ausgaben „für Diagnostik, ärztliche Beratung und Therapiebegleitung“, die bei rund 170 Euro pro Jahr liegen würden.

Die Regierung weist zugleich darauf hin, dass durch die PrEP die Zahl der HIV-Infektionen gesenkt werden könne und „dadurch der prognostizierte Anstieg der Gesamtbehandlungskosten für HIV-Patienten erheblich verringert werden kann“. 2015 hätten die „direkten Krankheitskosten“ für die Behandlung HIV-positiver Menschen in Deutschland bei 278 Millionen Euro gelegen.

Regierung erhofft Rückgang der HIV-Neuinfektionen durch die PrEP

Auf die Frage der FDP-Fraktion, welche „Kosten-Nutzen-Bewertung“ die PrEP habe, antwortete das Gesundheitsministerium kühl: „Das deutsche Recht sieht für Arzneimittel keine regelhafte Kosten-Nutzen-Bewertung vor.“ Man verweise aber auf den britischen Landesteil England, in dem laut aktuellen Zahlen „die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in einzelnen Regionen bzw. der Metropole London um bis zu 40 Prozent zurück gegangen ist.“ Die englische Gesundheitsbehörde vermute, „dass hierfür neben der Ausweitung von Testangeboten auch die PrEP ursächlich war“.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts hatte es 2016 in Deutschland 3.100 HIV-Neuinfektionen gegeben – und damit 100 weniger als im Vorjahr. Insgesamt lebten 88.400 Personen mit HIV, rund zwei Drittel seien Männer, die sich beim Sex mit Männern angesteckt hätten.

 

Quelle: queer.de

Deutsche AIDS-Hilfe: PrEP wird zahlreiche HIV-Infektionen verhindern / Jetzt auch generell regelmäßige Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten ermöglichen

Die gesetzlichen Krankenkassen sollen die Kosten für die HIV-Prophylaxe PrEP übernehmen. Gesundheitsminister Jens Spahn will für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko einen gesetzlichen Anspruch auf die Medikamente sowie medizinische Begleitung schaffen. Das erklärte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat sich lange für die Kostenübernahme eingesetzt und begrüßt die Initiative des Ministers. Dazu erklärt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Die neue Regelung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland. Die Kassenfinanzierung wird Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. Sie ist der entscheidende Schritt, um das Potenzial dieser Maßnahme auszuschöpfen.“

Kostenübernahme schafft Zugang

Bisher müssen PrEP-Nutzer_innen die Kosten selber tragen. Die Medikamente schlagen dabei mit 50 bis 70 Euro zu Buche, hinzu kommen ärztliche Beratung und die erforderlichen Begleituntersuchungen. Menschen mit geringem Einkommen sind praktisch ausgeschlossen.

Schätzungsweise 5.000 Menschen lassen sich bisher die PrEP verschreiben – laut einer Studie der Universität Essen überwiegend Besserverdienende.

„Schutz vor HIV darf nie am Geldbeutel scheitern. Es ist dringend an der Zeit, diese Lücke in der HIV-Prävention zu schließen“, betont DAH-Vorstand Winfried Holz.

Aufgrund der Kosten beziehen zurzeit nicht wenige Menschen die Medikamente kostengünstig aus dem Ausland – teils ohne ärztliche Begleitung. Auch wegen der damit verbundenen Risiken will Spahn einen regulären Weg für alle eröffnen.

Immer mehr Länder ermöglichen PrEP

Die PrEP kann die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland nach einer Studie der Universität Rotterdam bis 2030 um rund 9.000 verringern.

Auch Erfahrungen aus Australien, den USA und England zeigen: Wo die PrEP zugänglich ist, gehen die HIV-Infektionen zurück. Dies spart langfristig Kosten für lebenslange HIV-Behandlungen. Immer mehr Länder schaffen Zugang zur PrEP, zuletzt die Niederlande.

„Die PrEP nützt sowohl den Menschen, die sie anwenden, als auch dem Gesundheitssystem“, betont DAH-Vorstand Winfried Holz. „Die neue Regelung ist fachlich geboten und dringend notwendig.“

Medizinische Begleitung ist wichtig

Bei der HIV-Prophylaxe PrEP nehmen HIV-negative Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko vorsorglich ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen. Es schützt zuverlässig vor einer Ansteckung. Wichtig ist dabei eine fachlich versierte medizinische Begleitung, bei der unter anderem regelmäßige HIV-Tests und Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten durchgeführt werden.

Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten

Darüber hinaus wäre es sinnvoll, für Menschen mit erhöhtem Risiko regelmäßige Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten generell zu übernehmen, auch ohne PrEP und wenn keine Symptome vorliegen.

„So können Infektionen erkannt werden, die sonst unbehandelt und übertragbar bleiben. Das kommt allen zugute“, so Winfried Holz.

Deutsches Ärzteblatt: HIV-Präexpositions­prophylaxe soll Kranken­kassenleistung werden

 

Quelle: aidshilfe.de

Die obersten Gesundheitsaufklärer in Deutschland warnen vor einem Anstieg bei Geschlechtskrankheiten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt vor einer steigenden Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen (STI) in Deutschland und Europa. Betroffen von dieser Entwicklung seien unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, teilte die Behörde am Donnerstag in Köln mit. Während sich Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, überproportional häufig mit Syphilis infizierten, sei die Infektion mit Chlamydien-Bakterien vor allem unter heterosexuellen jungen Frauen und Männern weit verbreitet.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Chef des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) davor gewarnt, dass unter schwulen und bisexuellen Männern noch immer eine Hepatitis-A-Welle durch die Bundeshauptstadt rolle.

Die Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen sei eng miteinander verbunden, sagte die Leiterin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss, vor der 22. Internationalen Aids-Konferenz, die am Montag in Amsterdam startet. Die Konferenz ist mit etwa 18.000 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen zum Thema HIV und Aids.

Kenntnisse über Geschlechtskrankheiten gering

Während in Deutschland das Wissen um das HI-Virus sehr ausgeprägt sei, seien die Kenntnisse über einzelne sexuell übertragbare Infektionen und deren Symptome in der Gesamtbevölkerung gering. Das zeige auch eine repräsentative Umfrage der Bundeszentrale (PDF). Demnach könnten aktuell nur 16 Prozent der Frauen und lediglich elf Prozent der Männer ein brennendes Gefühl als Symptom einer möglichen STI zuordnen.

Um die Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen zu verbessern, hatte die Bundeszentrale im Jahr 2016 die Kampagne „Liebesleben“ gestartet. Dazu wurden unter anderem fünf Handpuppen entwickelt, die auf humorvolle Weise erklären sollen, was sich hinter den Krankheiten verbirgt, wie man sich infizieren und am besten davor schützen kann. Plakate zum Thema, in denen Cartoonfiguren auf sexuell übertragbare Krankheiten hinweisen und für Kondomnutzung werben sollen, sind bereits das Ziel von Homo-Hassern geworden. So startete die „Demo für alle“ eine Petition gegen die BzgA-Aufklärungskampagne.


Quelle: queer.de

Pilotprojekt in Bayern: Per Abo soll der diskrete und regelmäßige Check einfacher werden / S.A.M – Mein Heimtest ermöglicht frühe Diagnosen

Ein kleiner Stich in den Finger zur Blutentnahme, eine Urinprobe, einige Abstriche mit Wattestäbchen, die Proben in einem Plastikbeutel verstauen und in die Post geben: So einfach funktioniert das neue Heimtest-System S.A.M für Checks auf HIV und Geschlechtskrankheiten. Ab sofort wird es in Bayern für ein Jahr erprobt. Entwickelt wurde das innovative Konzept von der Münchner Aids-Hilfe und ihrem Dachverband, der Deutschen AIDS-Hilfe, ViiV Healthcare und dem Labor Lademannbogen in Hamburg.

Ergebnis per Handy

S.A.M steht für Sampling (englisch für Probenentnahme). Das Paket beinhaltet Tests auf HIV, Syphilis, Chlamydien und Gonokokken (Erreger von „Tripper“). Interessierte können sich online anmelden und dann in vier bayerischen „Checkpoints“ in München, Nürnberg, und Regensburg ein Erstgespräch mit persönlicher Beratung führen. Sie entscheiden dann selbst, ob sie das Testkit alle 3, 6 oder 12 Monate automatisch zugesandt bekommen möchten. Das Angebot kostet 32 Euro pro Testvorgang.

Blut- und Urinproben sowie Abstriche werden zu Hause selbst entnommen und dann ins Labor nach Hamburg gesendet. Wird keine Infektion festgestellt, erhalten die Nutzer_innen das Ergebnis per SMS. Liegt eine Infektion vor, erhalten sie eine SMS mit der Bitte um Rückruf. Eine medizinische Fachkraft steht für ein Beratungsgespräch bereit und verweist gegebenenfalls an medizinische Einrichtungen und Aidshilfen weiter.

Optimale Behandlungsmöglichkeiten nur bei früher Diagnose

Das Ziel: Mehr Infektionen früh entdecken und behandeln. Denn in Deutschland leben rund 13.000 Menschen mit HIV ohne es zu wissen, rund ein Drittel aller Diagnosen erfolgt erst, wenn bereits Aids oder ein schwerer Immundefekt vorliegen. Auch andere sexuell übertragbare Infektionen bleiben oft lange unerkannt. Nötig sind daher weitere Testangebote, die die Hemmschwelle senken und möglichst bequem sind.

„Frühe Diagnosen zu fördern, ist heute so wichtig wie nie“, betont Armin Schafberger, Referent für Medizin und Gesundheitspolitik der Deutschen AIDS-Hilfe. „Bei rechtzeitiger Behandlung haben Menschen mit HIV mittlerweile eine fast normale Lebenserwartung und können leben wie andere Menschen auch. Bleibt HIV unbehandelt, drohen schwere gesundheitliche Schäden. Auch Geschlechtskrankheiten können unerkannt viel Schaden anrichten, sind aber gut behandelbar.“

Eine Chance für Ungetestete

„S.A.M – mein Heimtest“ hat insbesondere Vorteile für Menschen in ländlichen Regionen mit wenig Angeboten und für alle, die ungern eine Teststelle aufsuchen, zum Beispiel aus Scham. Das Verfahren ist einfach, diskret und bequem. Eine Onlineplattform gibt alle wichtigen Informationen rund um Test und Infektionen.

„In einer Vorab-Erprobung hat sich bereits gezeigt, dass das Verfahren hervorragend angenommen und sicher angewendet wird“, betont Christopher Knoll von der Münchner Aids-Hilfe. „Indem wir die Hemmschwelle senken, ermöglichen wir Menschen einen Test, die sonst keinen machen würden.“

In Großbritannien wird ein ähnliches Verfahren bereits seit vier Jahren erfolgreich eingesetzt. Die Erfahrungen zeigen: Der so genannte Einsendetest motiviert tatsächlich Menschen dazu, sich erstmals oder früher testen zu lassen.

Kooperation macht’s möglich

„Ich kann es kaum erwarten, dass S.A.M nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit endlich startet“, freut sich Kathrin M. Dymek, Leiterin Medical Advisor von ViiV Healthcare. „Mir bedeutet es viel, bei einer Firma wie ViiV zu arbeiten, die innovative Community-Projekte maßgeblich mitgestaltet.“

„Moderne Labortests können jetzt von jeder Person selbst veranlasst werden, ohne dass jedes Mal ein Arzt aufgesucht werden muss. Wir freuen uns sehr, bei diesem neuartigen Konzept die Laboranalytik durchzuführen“ sagt Dr. Christian Noah vom Labor Lademannbogen in Hamburg.

Aids beenden

UNAIDS will die Aids-Epidemie weltweit bis zum Jahr 2030 beenden, und die deutsche Regierung hat sich diesem Ziel in ihrer 2016 beschlossenen Strategie BIS2030 verpflichtet. Mit der Kampagne „Kein Aids für alle!“ möchte die Deutsche AIDS-Hilfe dieses historische Ziel in Deutschland schon bis 2020 erreichen. Ein zentraler Schlüssel ist dabei, dass mehr Menschen mit HIV wissen, dass sie infiziert sind, und sich behandeln lassen.


Quelle: aidshilfe.de

Fachgesellschaften verabschieden Leitlinien: Sicherheit für Ärzt_innen und Anwender_innen / Jetzt Finanzierung über Krankenkassen sichern

Für die HIV-Prophylaxe PrEP liegen erstmals medizinische Leitlinien vor. Sie regeln detailliert, wie die PrEP in Deutschland und Österreich verordnet, eingenommen und ärztlich begleitet werden soll. Die zuständigen Fachgesellschaften verabschiedeten die Leitlinien unter Federführung der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) in Köln.

Dazu sagt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Die PrEP wird mit den Leitlinien von einer Innovation zum Teil der regulären Versorgung. Die versammelte Fachwelt unterstreicht damit: Die medikamentöse Prophylaxe ist ein anerkannter Schutz vor einer HIV-Infektion. Die Regeln und Informationen geben Sicherheit – denen, die PrEP verschreiben, wie denen, die sie nutzen.“

PrEP bei „substanziellem Risiko“

Die Leitlinien schreiben fest, dass Menschen mit „substanziellem Risiko“ einer HIV-Infektion die PrEP angeboten werden soll. Entsprechend der Zulassung des Medikaments ist eine dauerhafte Einnahme vorgesehen. Eine phasenweise Einnahme zu bestimmten Anlässen ist möglich („Off-Label-Gebrauch“) und bedarf besonders eingehender Beratung.

Bedingungen für die PrEP sind ein negativer HIV-Test zu Beginn der Einnahme und ein weiterer vier Wochen danach, außerdem eingehende Aufklärung und Beratung.

Während der Einnahme der Prophylaxe sollen alle drei Monate ein HIV-Test sowie Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen in verschiedenen Abständen erfolgen, damit diese gegebenenfalls schnell behandelt werden können.

Finanzierung sicherstellen

„Mit den Leitlinien wird es leichter, PrEP allen anzubieten, die die Prophylaxe brauchen“, betont DAH-Vorstand Sven Warminsky. „Ein Hemmnis bleibt aber, dass die Krankenkassen nicht dafür zahlen. Neben klaren Regeln brauchen wir eine Finanzierung, die niemanden ausschließt.“

PrEP ist in Deutschland seit 2016 zugelassen, seit Oktober 2017 sind Generika für 50-70 Euro pro Monat erhältlich, hinzu kommen oft noch Kosten für begleitende Untersuchungen.

Dritte Safer-Sex-Methode

Die PrEP ist neben Kondomen und der Schutzwirkung durch die HIV-Therapie die dritte Möglichkeit, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Für manche Menschen ist sie die beste, für einige die einzig praktikable Methode.

Um die HIV-Infektion zu verhindern, nimmt man ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein, das die Vermehrung von HIV verhindert. HIV kann sich dann nicht im Körper festsetzen.

Die neuen Leitlinien ersetzen die „Vorläufigen Empfehlungen“ der Deutsch-Österreichischen AIDS-Gesellschaft zur Durchführung der PrEP. Die Deutsche AIDS-Hilfe hat die Leitlinien mit erarbeitet.

 

Quelle: aidshilfe.de

Nun ist es soweit, am kommenden Montag startet unsere neue Onlineberatung.

Wie bereits in unserer letzten News bekanntgegeben, haben wir bei dem neuen Tool keinen Einblick auf die Anfragedaten. Ihre Daten werden komplett verschlüsselt übertragen, das nunr Sie Zugriff auf die Anfrage haben.

Ihre E-Mail-Adresse wird vollkommen verschlüsselt und könnte dann folgendermaßen aussehen: d1gf58h8dw6@anfrage.frag-lazarus.de.

Wir freuen uns darauf auch nun endlich wieder unsere Onlineberatung anbieten zu können.

Immer mehr Menschen nutzen die medikamentöse Prophylaxe PrEP, um sich vor HIV zu schützen. Seit im Oktober 2017 relativ günstige Präparate auf den Markt gekommen sind, hat sich die Zahl der Nutzer verdreifacht und liegt jetzt bei 4.500.

Das hat der Direktor des Instituts für HIV-Forschung der Universität Essen, Prof. Hendrik Streeck, mitgeteilt. Er präsentiert heute beim Deutschen STI-Kongress in Bochum die Ergebnisse der PRIDE-Studie zur PrEP-Nutzung in Deutschland.

Zentrale Aussage: Die PrEP werde vor allem in der Zielgruppe schwuler Männer gut angenommen und etabliere sich in Deutschland schneller als in anderen Ländern.

Dazu erklärt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutsche AIDS-Hilfe:

„Der Erfolg der PrEP ist ein Erfolg für die HIV-Prävention in Deutschland. Die medikamentöse Prophylaxe ist eine zuverlässige Methode sich zu schützen und hat das Zeug, viele Infektionen zu verhindern. Für viele Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko ist sie unverzichtbar.“

Schutz darf keine Frage des Geldbeutels sein

Erschreckend ist vor diesem Hintergrund, dass Menschen mit geringerem Einkommen von dieser Schutzmethode ausgeschlossen sind, weil sie zu teuer ist. Prof. Streeck und sein Team stellen fest, dass die PrEP überwiegend von Besserverdienenden genutzt werde. Die Kosten für die Medikamente und die begleitenden Untersuchungen könnten sich auf bis zu 100 Euro im Monat summieren – für viele zu viel.

„Schutz vor HIV darf keine Frage des Geldbeutels sein“, sagt Sven Warminsky. „Wir brauchen jetzt  einen regulären Zugang für alle. Es ist an der Zeit, dass die Gesetzlichen Krankenkassen für das Medikament und die Begleituntersuchungen aufkommen. Nur so können wir die Chancen der PrEP voll ausschöpfen.“

PrEP-Studie: Prophylaxe rechnet sich

In anderen Ländern wird die HIV-Prophylaxe bereits über die staatlichen Gesundheitssysteme zur Verfügung gestellt, so zum Beispiel in Frankreich, Australien und in US-amerikanischen Metropolen. Vielerorts sanken die HIV-Infektionszahlen infolge von PrEP drastisch, etwa in England und in San Francisco.

Eine Studie der Universität Rotterdam ergab im letzten Jahr, dass die PrEP in Deutschland bis 2030 bis zu 9.000 HIV-Infektionen verhindern könnte. Das Gesundheitssystem würde damit hohe Folgekosten von HIV-Infektionen sparen.

Für Menschen mit erhöhtem Risiko

Die PrEP ist eine Schutzmethode für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. Neben Kondomen und der Schutzwirkung durch die HIV-Therapie ist sie die dritte Möglichkeit, eine HIV-Übertragung beim Sex zu verhindern.

„Die PrEP wird die anderen Safer-Sex-Methoden nicht ablösen. Für manche Menschen ist sie aber die am besten geeignete Strategie, für einige die einzige auf Dauer praktikable“, betont Sven Warminsky.

Ärztliche Begleitung und Checks sind wichtig

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein. Es verhindert die HIV-Übertragung bei regelmäßiger Einnahme so zuverlässig wie Kondome.

Bei Anwendung  der PrEP ist ärztliche Begleitung mit regelmäßigen HIV-Tests sehr wichtig. Auch Untersuchungen auf andere sexuell übertragbare Infektionen gehören dazu, damit sie gegebenenfalls schnell behandelt werden können.

 

Quelle: aidshilfe.de

Relaunch bei der schwulen Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU der Deutschen AIDS-Hilfe / Schwerpunkt Safer Sex 3.0: Vor HIV schützen heute Kondome, die Prophylaxe PrEP und Schutz durch Therapie

Eine einfache Webseite für eine Vielfalt an Möglichkeiten: So präsentiert sich der komplett neu gestaltete Internet-Auftritt von ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT), der Kampagne für schwule und bisexuelle Männer der Deutschen AIDS-Hilfe. Sie ist heute unter iwwit.de online gegangen.

Unter dem Schlagwort „Safer Sex 3.0“ macht die Kampagne aktuelle Entwicklungen in der HIV-Prävention verständlich. Mittlerweile gibt es nämlich drei Methoden, sich vor HIV zu schützen: Kondome, die HIV-Prophylaxe PrEP und Schutz durch Therapie (die Medikamente eines HIV-positiven Partners verhindern die Übertragung).

„Durch medizinische Entwicklungen sind neue Schutzmöglichkeiten entstanden. Nun kommt es darauf an, dass schwule Männer über alle Optionen gut Bescheid wissen. ICH WEISS WAS ICH TU unterstützt sie dabei, sich mit der Methode zu schützen, die am besten zu ihnen und zur jeweiligen Situation passt“, sagt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

Schlicht, aber sexy

Die HIV-Prävention ist komplexer geworden, IWWIT antwortet darauf mit Übersichtlichkeit und einem klaren Design: schlicht, aber sexy. Die wichtigsten Informationen und Botschaften sind leicht auffindbar, auf den Punkt formuliert und springen ins Auge. Lebendig werden sie durch persönliche Geschichten, die in Texten und Videos erzählt werden.

„Unsere Nutzer suchen bei uns in erster Linie Fakten über HIV und Geschlechtskrankheiten. Darüber hinaus möchten wir sie unterstützen, selbstbewusst ihre Sexualität auszuleben und die gewählte Schutzmethode in die Tat umzusetzen“, betont DAH-Vorstand Björn Beck.

Weitere Themen der Seite sind unter anderem der HIV-Test, Drogenkonsum und das Leben mit HIV. Interaktive Tools weisen mit wenigen Klicks den Weg zur nächsten Test- oder Beratungsstelle. Ein Kalender verweist auf die rund 200 Veranstaltungen, auf denen IWWIT jährlich präsent ist.

 

10 Jahre IWWIT

ICH WEISS WAS ICH TU feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen. Auf iwwit.de haben sich im Jahr 2017 eine halbe Million Nutzer über HIV, Geschlechtskrankheiten und Sexualität informiert. Die Kampagne wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefördert.

Weitere Informationen: www.iwwit.de/presse

 

Quelle: aidshilfe.de